Demografischer Wandel, steigende Arbeitsmarktmobilität und flexible Lebensmodelle führen dazu, dass immer mehr Beschäftigte Angehörige über größere Entfernungen hinweg pflegen. Doch wie präsent ist das Thema „Distance Care“ (Pflege auf Distanz, bei einer Entfernung von mindestens 100 km oder 1 Stunde Fahrtzeit) bereits in der betrieblichen Praxis? Im Rahmen des berufundfamilie Scout: "Aus den Augen, niemals aus dem Sinn" (Durchführungszeitraum: 06.02. – 06.03.2020,111 Zertifikatsträger) wurden Arbeitgeber zu ihren Wahrnehmungen, Angeboten und Hürden bei diesem Thema befragt.
Hohe Relevanz und steigender Bedarf
Der Aspekt „Pflege auf Distanz“ genießt in der pflegebewussten Personalpolitik einen hohen Stellenwert: Insgesamt stufen 90,1% der befragten Organisationen das Thema als „sehr wichtig“ (
) oder „wichtig“ (47,8%) ein. Auch mit Blick auf die Zukunft zeigt sich ein klarer Trend: 66,4% der Organisationen gehen davon aus, dass die Relevanz von Distance Care in den kommenden fünf Jahren weiter zunehmen wird. Nur ein geringer Teil (7,3%) erwartet keinen Bedeutungszuwachs, während
diesbezüglich noch unsicher sind.
Schätzungen zur Betroffenheit unter den Beschäftigten fallen unterschiedlich aus: Ein Drittel der Befragten (37%) vermutet, dass
0 bis 10% ihrer pflegenden Mitarbeitenden auf Distanz pflegen, während 27% den Anteil auf 11 bis 30% schätzen. Knapp 10% gehen von einem noch höheren Anteil aus, während 26,1% die Zahl nicht einschätzen können.
Ebenso wie die generelle Relevanz wird auch die Unterstützung durch den Arbeitgeber als essenziell bewertet: 85,1% halten es für wichtig oder sehr wichtig, dass Arbeitgeber gezielte Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Distance Care bereitstellen.
Die Realität in den Unternehmen zeigt jedoch ein gemischtes Bild:
- 40,5% der befragten Organisationen geben an, bereits konkrete Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege auf Distanz anzubieten.
- 52,3% bieten bislang noch keine spezifischen Maßnahmen an.
- 7,2% machten dazu keine Angabe bzw. wissen es nicht.
Was bremst Arbeitgeber aus?
Bei der Frage nach den Hürden für die Umsetzung betrieblicher Angebote wurden vor allem drei Faktoren genannt:
- Fehlende Umsetzungshilfen bzw. Praxistipps (59,8%)
- Zu hoher organisatorischer Aufwand (56,1%)
- Zu hoher Kostenaufwand (44,9%)
Des Weiteren gaben 32,7% an, aktuell keinen Bedarf in ihrer Organisation zu erkennen, und 26,2% meinten, dass Distance Care bereits durch bestehende Maßnahmen der pflegebewussten Personalpolitik abgedeckt sei. Dass betriebliche Angebote keinen Nutzen für die Arbeitgeberattraktivität bringen (10,3%) oder dass bereits ausreichend externe Lösungen vorhanden seien (5,6%) sehen hingegen nur sehr wenige als Hemmnis.
Hier geht es zum abrufbaren Ergebnisbericht.